Herbst Wein

Die Zeit ist reif für herbstlichen Wein

Die Weinlese läuft von Spätsommer bis Herbst auf Hochtouren. Bis aus den geernteten Trauben Wein geworden ist, dauert es jedoch noch eine ganze Weile. Welche Weine trinkt man in der Zwischenzeit? Es ist nicht mehr warm genug für einen kühlen Rosé, aber auch noch nicht die passende Zeit für einen kräftigen Rotwein. Was passt am besten – abgesehen vom Federweißer – zum Herbstbeginn? Die perfekte Mischung ist ein gereifter Weißwein. Sommelière Sophie Lehmann verrät uns, was sich hinter diesem Begriff verbirgt und warum sie findet, dass ein gereifter Grauburgunder so gut zum Beginn der kühlen Jahreszeit passt.

TCS: Ein weißer Grauburgunder gehört zu den liebsten Weinen der Deutschen. Für die meisten ist er eher ein leichter Sommerwein – oder nicht?

Sophie Lehmann: „Ja und Nein. Aus dem, was die Traube mit sich bringt, kann man Weine von sehr unterschiedlicher Stilistik keltern. Aber in Deutschland assoziieren wir Grauburgunder meist nur mit der klassischen Pinot Grigio Stilistik Norditaliens: Jung geerntet und zu recht neutralen, frischen Weinen mit eher wenig Säure verarbeitet. Dann ist es natürlich ein “klassischer Sommerwein”. Wer aber mal Pinot Gris, zum Beispiel aus dem Elsass, getrunken hat, weiß, dass Grauburgunder auch ganz anders ausfallen kann!“

TCS: Was passiert mit einem Weißwein, wenn er länger reift? Ab wann spricht man nicht mehr von jung, sondern von “gereift”?

Sophie Lehmann: „Das variiert von Rebsorte zu Rebsorte. Längst nicht alle Weine haben überhaupt das Potenzial zu reifen. Aber in der Regel ist zu erwarten, dass sich die Säure “besser einbindet”, wie der Winzer so schön sagt. Das bedeutet: Am Anfang kann die Säure etwas ruppig und eher unangenehm wirken. Mit zunehmendem Alter des Weins wird sie idealerweise sehr willkommen und zu einer tragenden Kraft. Die Aromatik verändert sich, wird oft dichter und kann sogar ganz bestimmte “Reifenoten” annehmen, wie zum Beispiel die Petroltöne, die man von älterem Riesling kennt. Alles andere hängt vom Weinstil ab, aber im Allgemeinen sollte das Aroma mit der Zeit harmonischer werden. Im weißen Bereich sollte man dem Wein schon wenigstens zwei, eher drei Jahre geben. Erst dann kann er den Erwartungen der Bezeichnung “gereift” auch wirklich gerecht werden.“

TCS: Wie schmeckt ein gereifter Grauburgunder?

Sophie Lehmann: „Würzigkeit, eine cremige Textur am Gaumen und deutliche Noten von reifen, exotischen Früchten sind zu erwarten. Allerdings gilt das nur für Weine, die von vornherein aus ausgereiften Trauben hergestellt worden sind. Durch die Reifung bildet sich außerdem mehr Alkohol.“

TCS: Worauf kann oder sollte man beim Kauf achten bzw. woran erkennt man einen guten, gereiften Grauburgunder?

Sophie Lehmann: „Erster Tipp: Kaufen Sie mal keinen Pinot Grigio. Und halten Sie stattdessen Ausschau nach Weinen aus dem Elsass, Tasmanien, Marlborough oder von der Nahe. Wenn der Winzer sich entscheidet, seinen Wein als “Pinot Gris” zu deklarieren, kann man die würzigere, fruchtbetonte Variante erwarten. Eine überraschend kräftige, ins Orange gehende Farbe wäre auch ein guter Anhaltspunkt. Am besten ist es immer, zum Weinhändler oder Sommelier Ihres Vertrauens zu gehen und sich etwas empfehlen zu lassen. Dann kann man gleich mehrere Varianten testen und mit nach Hause nehmen.“

TCS: Welche Speisen passen zu einem gereiften Grauburgunder?

Sophie Lehmann: „Tatsächlich fast alles, worauf man Lust hat. Vor allem aber Speisen, die selbst viel Säure enthalten. Dazu gehören zum Beispiel Tomatengerichte, die sonst schwierig zu begleiten sind. Ein schöner, gereifter Grauburgunder passt hier perfekt.“

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